Wildhüter St. Hubertus e.V.
Jagdschutz wohin?
Da ich in der Vergangenheit in vielerlei Funktionen gearbeitet habe, vom Jungjäger- und Berufsjägerprüfer, vom Hegeringleiter bis zum Jagdbeirat im Ministerium, bin ich gleichzeitig ein kritischer Beobachter von Verbänden und ihrer Leistungsfähigkeit.
Meine Aufgaben waren mit einem hohen Arbeitseinsatz verbunden aber sie bereiteten auch Freude. Bei jeder Verbandsarbeit ist es notwendig, tüchtige Mitstreiter zu besitzen, die es auch nicht stört, dass man die anfallende Arbeit selbst erledigen muss. Je breiter die Verbandsarbeit gestreut wird, dass ist meine Erfahrung, um so geringer ist die Aussicht, dass sie erledigt wird. Für einen Verband beginnt ein lebensgefährlicher Kreislauf. Der Weg ist dann nicht mehr weit, dass Mitglieder und Mandatsträger Fragen stellen über nachlassende Leistungen, die die Verbandsführung nicht mehr erledigen kann, weil sie mit internen Dingen gelähmt ist.
Es dringt nichts mehr nach draußen über Tätigkeit, Wild und Jagd. Mehr als je zuvor wartet die jagende und nichtjagende Öffentlichkeit darauf, dass die Jäger die in der Wildhege tätig sind, sich kompetent zu Wort melden.
Marketing für Wild- und Jagdschutz?
Die meisten erfolgreichen Unternehmen arbeiten heute mit modernen Methoden des Marketing. Wichtigstes Ziel ist dabei die Ausrichtung aller Aktivitäten des Unternehmens auf die Bedürfnisse des Marktes. Ziel dabei ist, Sympathie, Vertrauen und ein positives Image des Unternehmens zu schaffen. Beherrschen die für den Jagdschutz zuständigen Organisationen das kleine Einmaleins des Marketing für Wild- und Jagdschutz? In allen Bevölkerungsschichten, auch bei den schärfsten Kritikern von Jagd und Jäger, schneidet der Berufsjäger und Jagdaufseher mit einem guten Ergebnis als Zustimmung ab, das sind gute Voraussetzungen.
Die Zukunft der Jagd hängt nicht von Öffentlichkeitsarbeit, Bläsergruppe und Hubertusmessen ab. Hier hat man sich Jahrzehnte gefährlichen Irrtümern hingegeben, dass so die Darstellung des Jagdwesens möglich sei. Die Zukunft der Jagd hängt weitgehend von der qualifizierten Umsetzung der Jagdgesetze, von Hege und Weidgerechtigkeit ab, für die auch die Öffentlichkeit, der Nichtjäger, ein angeborenes Gespür hat im Umgang mit Wildtieren. Auf diese uralten Aufgaben gilt es sich zu besinnen. Hier haben Berufsjäger und Jagdaufseher ihren Platz.
Wildmeister HANS BEHNKE, dessen Nachfolger ich als Bundesobmann der Berufsjäger gewesen bin sagte einmal: „Alles Wild wartet darauf, dass einer von uns Minister wird. Aber das was wir können, das ist nicht mehr gefragt, damit meine ich nicht das Schießen, das scheint mir sehr gefragt, sondern das Lebenlassen, das Hegen von Leben."
Die im Jagdschutz tätigen Personengruppen werden in ihren Verbänden einen eigenen Weg suchen und finden müssen wenn sie nicht in die Bedeutungslosigkeit abdriften wollen.
Mit wichtigen Organisationen zusammenarbeiten ohne sich anzulehnen oder aufzustützen. Zu unterschiedlich sind oft die Interessen und leicht wird man zur Imagepflege anderer Verbände missbraucht.
Wichtige Fragen für die Zukunft der Jagd und des Jagdschutzes sind:
Das Bundesjagdgesetz - gerühmt als das beste der Welt – wird missbraucht, wenn die gemeinschaftlichen Jagdbezirke aus wirtschaftlichen Gründen in Revierfetzen zerrissen werden. Es wird weiter missbraucht, wenn die bereits stark verkleinerten Reviere von den Ausübungsberechtigten noch einmal in Pirschbezirke und sogenannte bezahlte Begehungsscheine unterteilt werden, von denen in der Regel weder Jagdgenossenschaften noch Jagdbehörde Kenntnis haben.
Hier ist kein Platz für qualifizierten Jagdschutz, so notwendig er, besonders bei jüngeren Revierinhabern wäre, die häufig als Qualifikation nicht mehr als drei Jahresjagdscheine mitbringen und dann den komplizierten Weg gehen im Umgang mit Wild, Natur und Öffentlichkeit.
Herr Neiss vom Wirtschaftsministerium in Nordrhein Westfalen sagte in einem Grußwort, aus Anlass einer Berufsjägerversammlung: „Die Reviere benötigen den qualifizierten Jagdschutz mehr als je zuvor."
Die Umsetzung dieser Forderung ist nicht Aufgabe der Jagdverbände. Hier müssen die Interessenvertreter der Jagdschutzorgane tätig werden. Ihre Arbeit darf nicht durch interne Querelen behindert werden.
Nach der Gründung des „Schweizerischen Wildhüterverbandes“ vor drei Jahren schreibt die dortige Fachpresse „Jagd und Natur": „Die Initiative der Wildhüter ist aus der Sicht der Jägerschaft zu begrüßen weil sie ein großes und wichtiges Reservoir an Erfahrung und jagdlichem Wissen besitzen, das für die Jagd unverzichtbar ist. Der Begriff des „Wildhüters" ist in der Gesellschaft, leider im Gegensatz zur Freizeitjagd, überwiegend positiv besetzt!“ Der Aussage ist nichts hinzuzufügen, den Weg dorthin müssen Sie alleine finden. Schließen will ich mit einem kleinen Gedicht, was Hermann Löns über den Wildhüter und Heger sagte:
Das Schießen allein macht den Jäger nicht aus,
wer weiter nichts kann, bleibe lieber zu Haus.
Doch wer sich an Wild und an Wald,
auch wenn es nicht blitzet und wenn es nicht knallt,
und wer noch hinaus zieht zur jagdlosen Zeit,
wenn Heide und Holz sind vereist und verschneit,
wenn mager die Äsung und bitter die Not,
und hinter dem Wilde einher schleicht der Tod,
und wer ihm dann wehret, ist Weidmann allein,
der Heger und Pfleger kann Jäger nur sein.
Wer bloß um das Schießen hinausging zur Jagd,
zum Weidmanne hat er es niemals gebracht.
Wildmeister DIETER BERTRAM
