Wildhüter St. Hubertus e.V.

Wildkatze

Felis silvestris SCHREB.

Ordnung:

Raubtiere (Carnivora)

Unterordnung:

Landraubtiere (Fissipedia)

Familie:

Katzen (Felidae)

Kennzeichen:

 

 

  • Ist mit unserer Hauskatze nur entfernt verwandt.

 

  • Ist bedeutend größer und kräftiger als die Hauskatze.

 

  • Stärkere Behaarung und größeren Schnurrbart als Hauskatze.

 

  • Grundfärbung ist gelbgrau bis grau mit schwacher, angedeuteter oder dunkler, klarer Stromung, manchmal auch unvollständig.

 

  • Von der Stirn laufen vier bis fünf dunkle Streifen zwischen den Gehören bis zum Ende der Schulterblätter. Die beiden mittleren Streifen setzen sich über den Rücken hin fort.

 

  • Die Rute ist grau und buschig und von der Wurzel bis zur Spitze gleich stark, mit drei oder vier deutlichen dunklen Ringen und einem etwa 5 cm langen schwarzen Endstück.

 

  • Fleischfarbener Nasenschwamm.

 

  • Grüngraue Iris.

 

  • Auf der Sohle der Hinterbranken den dunklen Nehringschen Sohlenfleck (Durchmesser 2 bis 2,5 cm). Er ist kleiner als bei der Hauskatze, jedoch kein sicheres Merkmal um echte Wildkatzen von Blendlingen zu unterscheiden.

 

  • Junge, noch nicht ausgewachsene Wildkatzen sind leicht mit Hauskatzen zu verwechseln.

 

  • Am Schädel von Hauskatze und Blendling ist deutlich ein Grübchen (Glabella) am Ansatz vom Stirnbein zu den Nasenbeinen zu erkennen; diese Glabella fehlt bei der Wildkatze.

 

  • Der Darm der Wildkatze misst ca. 150 cm, bei der Hauskatze im Durchschnitt 200 cm.

Größe / Gewicht:

 

 

  • Kopf-Rumpf-Länge:       Kuder  53 – 68 cm;      Katze:  47 – 65 cm;
  • Rutenlänge:                              28 – 35 cm;                  25 – 33 cm;
  • Schulterhöhe:                           35 – 40 cm;                  25 – 40 cm;
  • Gewicht:                                    3 – 10 kg;                     2,4 – 5 kg.

Vorkommen:

 

 

  • Deutschland, Spanien, Italien, Frankreich, Belgien, Schottland und Südosteuropa.

 

  • In Deutschland: Pfälzer Wald, Eifel, Taunus, Odenwald, Hunsrück, Westerwald, Harz, Thüringen, Schwarzwald und Bayerischer Wald.

 

  • Seit 1934 (Reichsjagdgesetz) ganzjährig geschont.

Lebensraum:

 

 

  • Bevorzugt weiträumige Wälder, besonders Nadelwälder mit dichtem Unterwuchs sowie zerklüftete Schluchten und Felspartien.

 

  • Als Unterschlupf dienen Felsspalten, Dickungen, Baumhöhlen, Stollen, Erdbaue von Fuchs und Dachs usw. Im Winter ist sie auch in Heustadeln und Scheunen.

 

  • Ist ein hochsensibler Zeiger für eine naturnahe, störungsarme und wenig zerschnittene waldreiche Landschaft. Lebt oft mit Haselhuhn, Baummarder und Luchs zusammen.

Lebensweise:

 

 

  • Katzen sind, mit Ausnahme der Ranzzeit, Einzelgänger.

 

  • Wo sie als Standwild vorkommen, halten sie sehr genau ihren Pass ein.

 

  • Da sie Nässe scheut, benutzt sie morgens gerne Waldwege.

 

  • Als Dämmerungs- und Nachttier ist sie abends und vor allem nachts aktiv und verbringt den Tag schlafend oder sonnt sich an einem ruhigen Ort.

 

  • Ausdauernder „Ansitzjäger“.

 

  • Droht ihr Gefahr, geht sie meist in Deckung.

 

  • Wildkatzen baumen bei Gefahr – im Gegensatz zu Blendlingen – selten auf.

 

  • Wildkatzen sind sehr scheu.

Revier:

 

 

  • Katzen beanspruchen ein bestimmtes Revier, in dem sie keine Artgenossen dulden (1 bis 4 je 10 qkm; nach Geschlechtern unterschiedlich große Reviere).

 

  • Katzen sind in der Regel standorttreu, während junge Kuder oft kilometerweit umherziehen.

 

  • Die Reviere werden an den Grenzen durch Absetzen von Losung an erhöhten Stellen (Baumstümpfe, Steine usw.) markiert.

Ernährung:

 

 

  • Hauptsächlich Mäuse (bis 98%), aber auch Gelege, brütende Vögel (vom Auerhahn bis zum Zaunkönig), Kaninchen, Hamster, Bilche, Hasen, Nutria, Bisam, Insekten, auch Fische und Aufbruch.

 

  • Größere Beute wird durch Nackenbiss, kleinere durch Halsbiss getötet.

Alter:

 

 

  • Wildkatzen können 12 bis 14 Jahre alt werden. In Gefangenschaft bis 21 Jahre.

Zähne:

 

 

  • Oberkiefer:  3 / 1 / 3 / 1   x 2; Unterkiefer: 3 / 1 / 2 / 1   x 2      = 30 Zähne im Dauergebiss.

Sinne:

 

 

  • Vernimmt und äugt sowohl am Tag wie auch bei Nacht hervorragend; wittert nur mäßig.

 

  • Schnurrhaare (Vibrissen) und die Tasthaare am unteren Vorderlauf sind ihre Tastsinnorgane.

Duftdrüsen:

 

 

  • Das Sekret der Analdrüse gibt den typischen Katzengeruch, der auch für Menschen wahrnehmbar ist.

Lautäußerungen:

 

 

  • „Miau“ wie bei der Hauskatze, jedoch stärker.

 

  • Bei Ärger ein Fauchen.

 

  • In der Ranzzeit (Rollzeit) ein klagendes, heiseres Geschrei.

Fortpflanzung:

 

 

  • Sind mit ca. 10 Monaten geschlechtsreif.

 

  • Ranzzeit (Rollzeit) ist Februar / März. Dann häufig Liebesklagen – vor allem des Kuders – bei Nacht.

 

  • Rivalenkämpfe und Paarung gehen wie bei Hauskatzen unter lautem Fauchen und Schreien vor sich.

 

  • Paarung ähnlich wie bei Hauskatze.

 

  • Tragzeit: ca. 63 Tage (ca. 2 Monate).

 

  • Bringt im April / Mai 3 bis 5 Junge (Nesthocker).

 

  • Junge sind 9 bis 11 Tage blind.

 

  • Die Katze verbringt ihr Geheck in Felsspalten, Höhlen  usw. Sobald Gefahr im Verzug ist, verbringt sie die Jungen in ein anderes Versteck.

 

  • Der Kuder ist nicht an der Aufzucht der Jungen beteiligt.

 

  • Im Alter von ca. 2 Monaten begleiten die Jungen die Katze auf der Pirsch.

 

  • Im Herbst löst sich das Geheck auf und die Jungkatzen suchen sich eigene Reviere.

 

  • Kreuzungen zwischen Wild- und Hauskatze (Blendlinge) kommen häufig vor.

Losung:

 

 

  • Wird meist in einer zuvor gescharrten Vertiefung abgesetzt und anschließend verdeckt.

 

  • Markierung der Reviergrenzen.

 

  • Wurstförmig,  5 bis 8 cm lang und 1 bis 1,5 cm dick, gelegentlich ist sie weich oder flüssig.

 

  • In der Ranzzeit werden Bäume und Steine mit Urin markiert, vermischt mit einem Sekret der Analdrüse. Diese Markierung dient dem Zusammenfinden der Geschlechter.

Spur:

 

 

  • Zehengänger (5 Zehen am Vorderlauf, 4 Zehen am Hinterlauf).

 

  • Die fünfte Zehe sitzt etwas erhöht, und wird nicht mit abgedrückt.

 

  • Die Sohlen sind behaart, und der Abdruck der vier Zehenballen und des dreieckigen Hauptballens hat eine ovale, fast runde Form.

 

  • Waffen (Krallen) werden nicht mit abgedrückt.

 

  • Abdruck: 4,5 bis 5 cm lang und 4 bis 4,5 cm breit.

Krankheiten /
Verluste

 

 

Natürliche Feinde sind Luchs, Wolf, Uhu, Steinadler, Habicht, Fuchs und Marder

 

Hohe Verluste durch Straßenverkehr

 

 

 

ERNST-OTTO PIEPER, Burg in Dithmarschen

Grafik: Ernst-Otto Pieper, 25712 Burg in Dithmarschen
Wildkatze - schleichend

      flüchtig                    schleichend           schnürend