Brauchtum – Jägersprache_Läufe, Branken, Schwimmer, Ständer, Füße, Fänge

Von Ernst-Otto Pieper

 

Die Beine des Haarwildes und der Jagdhunde nennt der Jäger Läufe, hiervon ausgenommen sind Bär, Wolf, Luchs, Wildkatze, Dachs, Baum- und Steinmarder, Iltis, Hermelin und Mauswiesel, bei ihnen heißt es Branke oder Pranke (Vorder- und Hinterbranken oder -pranken.

Das spätmittelhochdeutsche pranke erschien bald nach 1300 in Tirol als Tatze des Bären. Vermutlich ist es von dort als Jägerwort ins Neuhochdeutsche gelangt. Im jagdlichen Schrifttum sind beide Schreibweisen, Pranke und Branke und die Nebenformen Prante und Brante üblich.

An den sehr starken Branken hat der Luchs Waffen oder Krallen. Die Wildkatze hat an den Zehen, wie der Luchs, Waffen oder Krallen. Die dunkle Stelle am hinteren unteren Teil des Hinterlaufes nennt man Sohlenfleck.

Beim Fuchs gilt Lauf oder Branke, beim Fischotter Lauf oder Schwimmer. Mit Schwimmer werden auch die Füße des Seehundes bezeichnet.

Der untere Teil des Laufes beim Wolf heißt Pranke, Branke, Prante oder Brante.

Der Weidmann sagt: das Wild „kommt auf die Läufe“, wenn es sich erhebt und es „ist auf den Läufen“, wenn es umherzieht.

An den Läufen des Rot-, Sika-, Dam-, Reh-, Muffel-, Gams-, Stein- und Schwarzwildes befinden sich die Schalen. Von der Bedeutung des germanischen skalja = Umhüllung einer Frucht, wurde der Begriff im Mittelalter auf die hornige Bedeckung der gespaltenen Tierfüße übertragen. Die hiervon abgeleiteten Begriffe Schalenwild oder geschaltes Wild sind jüngeren Datums. Der Begriff Klauen hielt sich in der Weidmannssprache bis ins Neuhochdeutsche.

Noch nicht abgewechselte (abgenutzte) Schalen bezeichnet man mit scharf.

Mit den Ständern, Läufen oder Füßen (mit Nägeln) läuft das Auerwild, und macht ein Geläufe, Geläuf oder Gelauf, gelegentlich ist auch Fährte üblich; gleiches gilt für Trappen und Trutwild. Birk- und Haselwild hat Füße.

Ständer war im Alt- und Mittelhochdeutschen ein Fass mit Deckel, das die Form eines abgestumpften Kegels hatte und auf drei Füßen stand. Im 16. Jahrhundert bezeichnete man mit Ständer einen länglichen, aufrechtstehenden Gegenstand. Diese Bedeutung übertrug man auch auf die Füße des großen Federwildes außer Greifvögel, Schwimmvögel, Tauben und Kleinvögel.

Bei Fasan, Rebhuhn, Wachtel, Schneehuhn sowie bei Tauben werden die Füße Tritt genannt, beim Fasan auch Fuß oder Ständer. Beim Fasan befindet sich über der Hinterzehe der hornschuppenbedeckten Ständer der Sporn (Plural Sporen), der von den Jägern auch als Kampfsporn bezeichnet wird. Schon im Germanischen gab es das Wort Sporn und bedeutete „mit dem Fuß stoßen“.

Der Ausdruck Läufe für die Füße des Auerwildes hat wie Fährte für das Geläuf seinen Ursprung in der Einteilung des Wildes in Hoch- und Niederwild. Da alles zur Hohen Jagd gehörende Schalenwild eine Fährte zieht, lag es nahe, auch dem „großen Waldvogel“, wie er von den Alten genannt wurde, diese Bezeichnung zu geben.

Schwimmvögel deren Zehen mit Schwimmhäuten verbunden sind, haben Latschen (von latschen = eigenartig gehen). Hiervon ausgenommen sind Schwäne, sie haben Ruder (übertragen von der Bedeutung Ruder zur Beschleunigung der Fahrt). Mit Ruder werden selten auch die Füße der Enten, Gänse und Säger bezeichnet. Mit Rudern oder Latschen laufen sie auch und machen das Geläuf.

Beizhabicht, -sperber und -adler haben Füße mit Zehen. Beizfalken haben Finger an der Hand. Sonst werden die Füße der Greifvögel oder nur die Klauen oder Zehen Fänge genannt. Sie stoßen auf ihre Beute, greifen oder binden, d.h. fassen sie mit den Fängen, schlagen (in der schärfsten Bedeutung „töten“) sie mit den Fängen (Grifftöter) bzw. mit dem Schnabel (Bisstöter) und kröpfen danach den Raub. Die Fänge sind behost, wenn sie im oberen Drittel befiedert, raufüßig dagegen, wenn sie durchweg befiedert sind.