Abenteuer im Saugatter Blankenhain

Von Claudia Treude

Ausbildung von Junghunden

Vor einem Jahr ist Brackelmann bei uns eingezogen. Brackelmann ist einer von 13 Geschwistern aus dem Zwinger „vom Glasebach“. Mitzuerleben, wie der Welpe wächst und lernt, seine Umwelt ent­deckt und jagdliches Interesse entwickelt, waren die schönsten Erfahrungen in diesem Jahr.

Brackelmann vom Glasebach
Brackelmann vom Glasebach
Foto: Peter Treude

Die Züchterin, Frau Diana Zimmermann-Obach, steht uns und allen anderen Welpenbesitzern dabei immer mit ihrem Rat zur Seite, hat Hilfe angeboten und gewährt und fördert den jagdlichen Werde­gang der Welpen, soweit es nur möglich ist. Deshalb hat sie auch am 15. Mai 2021 ihren B-Wurf ins Saugatter Blankenhain in Thüringen eingeladen.

Leider konnten sechs Gespanne der Einladung nicht folgen, aber für alle anderen stand an diesem Tag das Abenteuer „Sauen jagen“ auf dem Programm. Dabei waren: Bobby, Brana, Balko (Ludwig), Batz (Kalle), Baldur (Albert), Bara und Brackelmann. Zwei Steirer aus dem A-Wurf, die Zuchthündin und zwei weitere Steirer machten die Mannschaft komplett.

Brackelmann vom Glasebach
Brackelmann vom Glasebach
Foto: Peter Treude

Aufgrund der perfekten Organisation konnte die Einhaltung der aktuellen Bestimmungen zur Corona-Pandemie gewährleistet werden. Die Termine erstreckten sich über den gesamten Tag. Deshalb kamen leider nicht alle Welpenbesitzer gleichzeitig zusammen, doch auch in kleinem Kreis freute man sich auf das Wiedersehen nach dem Welpentreffen im letzten Jahr.

Das Wetter zeigte sich an diesem „Sauen-Tag“ im Mai zwar ungemütlich mit Wind und viel zu kalten Temperaturen, doch der angekündigte Regen kam glücklicherweise erst nach dem Ende der Veranstal­tung.

Mit der sehr guten Anfahrtsbeschreibung war es kein Problem, den Treffpunkt zu finden.

Zuchthündin Emira vom Knappenhaus
Zuchthündin Emira vom Knappenhaus
Foto: Diana Zimmermann-Obach

Das Saugatter Blankenhain in Thüringen wird von der Kreisjägerschaft Weimar betrieben. Es ist ein 2 ha großes angehendes Fichtenbaumholz mit einer Suhle. Im Gatter befinden sich vier ca. 80 kg schwere Sauen. Ein doppelter Zaun dient als Schutz und Abwehr gegen die Schweinepest.

Bevor es losgehen konnte, mussten zunächst die üblichen Formalitäten erledigt werden. Für den Be­such des Gatters wurde eine kleine Gebühr erhoben. Diese dient dazu, den Betrieb des Gatters zu gewährleisten. Die Gattermeister selbst erledigen ihre Arbeit rein ehrenamtlich und auch, wie wir an diesem Tag erfahren konnten, mit großem Engagement.

Dann konnte es endlich losgehen: Der Gattermeister machte sich mit jedem Gespann auf den Weg ins Gatter. Dabei wurden Informationen ausgetauscht. Der Gattermeister fragte nach, ob der Hund schon an Sauen gearbeitet hat oder bereits einmal im Saugatter gewesen sei. Außerdem gab er dem Hundeführer Verhaltensweisen für den Ablauf im Gatter mit auf den Weg.

Brackelmann vom Glasebach
Brackelmann vom Glasebach
Foto: Peter Treude

Mit diesen Hinweisen konnte der Ablauf für jeden Hund individuell gestaltet werden.

Hunde, die noch nie im Saugatter gewesen waren oder noch wenig Erfahrung hatten, wurden an der Leine bis in Sichtweite der Sauen geführt und dann, je nach Reaktion der Hunde, geschnallt. Hunde mit mehr Erfahrung wurden direkt am Gattereingang geschnallt und mussten selbstständig suchen.

Bei einigen Gespannen wurden die Hundeführer aufgefordert, aktiv mitzujagen und den Hund anzu­rüden. So sollte das gemeinsame Jagderlebnis mit dem Hund gestärkt werden. Das machte die Ange­legenheit auch zu einer schweißtreibenden Tätigkeit für die Hundeführer („Ich wusste gar nicht, dass ich noch so schnell rennen kann!“, „Hat jemand im Gatter meine Lunge gefunden?“)

Einige Hunde sollten zunächst ohne Einwirkung ihres Hundeführers arbeiten. Hier wollte man das Ver­halten des Hundes, losgelöst von Hilfen, beobachten.

Für Brackelmann war dies der zweite Besuch in einem Saugatter. Nachdem er im letzten Herbst zuerst die Wildschweine im Tierpark Sababurg morgens um 8 Uhr „auf Distanz geweckt“ hatte und auch ein Saugatter im Rahmen der Welpenschule kennengelernt hatte, sollte er heute zeigen, ob er die Erfah­rungen des letzten Jahres nutzt und die Sauen mutig angeht. Er hat seine Aufgabe so durchgeführt, wie er an alle neuen Situationen herangeht: Erst einmal vorsichtig sondieren, dann aber die liegenden Sauen verbellen. Sobald sich die Rotte in Bewegung gesetzt hatte, ging es beherzt zur Sache. Mehrfach wurden die Sauen in zwei Gruppen gesprengt und stets mit tiefem Brackenlaut und hohem Tempo durch das Gatter gejagt.

Ein Teil des Gatters war von außerhalb einsehbar, so dass auch die Arbeit der Hunde von den anderen Hundebesitzern, die vor Ort waren, beobachtet werden konnte. Leichte Unterschiede zwischen Hun­den, die schon einmal im Gatter gewesen waren und denjenigen, die heute Neuland betreten hatten, waren erkennbar und wurden in der Zuschauerrunde wohlwollend kommentiert.

Nach 10 bis 15 Minuten wurde die Arbeit an den Sauen beendet und der Hund wurde abgerufen. An­schließend gab es ein Feedback des Gattermeisters zur Arbeit des Hundes.

Brackelmann vom Glasebach
Brackelmann vom Glasebach
Foto: Peter Treude

Alle Hunde haben sehr gut gearbeitet und die Gattermeister zeigten sich sehr zufrieden mit den er­brachten Leistungen. Als Anregung gaben sie mit auf den Weg, solch einen Gattertermin im Abstand von 4 bis 6 Monaten noch einmal zu wiederholen, um das Verhalten zu festigen und zu stabilisieren.

Natürlich waren auch alle Hundebesitzer glücklich über die gezeigten Leistungen ihrer Vierbeiner. Die an diesem Tag gewonnenen Erkenntnisse helfen dabei, die Ausbildung der Hunde weiter zu vertiefen und noch zielgerichteter fortzuführen.

Reger Austausch und Fachsimpeln über die bisherige und noch folgende Ausbildung kamen während des ganzen Tages natürlich nicht zu kurz. Auch der Vergleich der sieben Geschwister war für alle An­wesenden sehr spannend. Der Variantenreichtum in Fellfarbe, Größe, Körperbau, von knapp im Haar bis wuschelig, ist in diesem Wurf sehr groß. Jeder Besitzer hat heute auch noch mal bestätigt, seinen Traumhund gefunden zu haben.

Brackelmann vom Glasebach
Brackelmann vom Glasebach
Foto: Peter Treude

Allen hat der Tag viel Freude bereitet. Ein herzliches Dankeschön geht an die Gattermeister für deren hilfreiche und unentgeltliche Arbeit und natürlich an den Zwinger „vom Glasebach“, an Frau Diana Zimmermann-Obach und ihre gesamte Familie für die Vorbereitung, Organisation und Durchführung dieses Ausbildungstages.

Am Ende des Tages lagen Brackelmann und alle seine Geschwister müde in ihren Körbchen und träum­ten von der aufregenden „Saujagd“.

B-Wurf VOM GLASEBACH
B-Wurf VOM GLASEBACH
Foto: Diana Zimmermann-Obach

 

 

 

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B-Wurf VOM GLASEBACH

am 09.03.2020 geb., Welpen 6/ 7, Z: Diana Zimmermann-Obach

ZUCHTBUCH 2020, Deutscher Brackenverein, Steirische Rauhhaarbracke

BALDUR , BALKO , BATS , BOBBY , BRACKELMANN , BUTZL , BARA , BASKA , BAXA , BEERE , BIRKE , BO , BRANA ,      –  VOM GLASEBACH