Das Waldhorn_1720 – 1725

Von ERNST-OTTO PIEPER

 

Kolorierter Kupferstich. Nürnberg um 1720 bis 1725

Im Mittelalter wurden Jagdhörner zumeist aus den Hörnern der Rinder hergestellt oder aus Elfenbein. Schuf man diese Instrumente, so hatten sie zwangsläufig die naturgegebene Form des Rinderhorns oder des Stoßzahns eines Elefanten. Diese Tradition setzte sich auch noch eine Weile fort, als man schon längst, insbesondere bei Hofjagden, dazu übergegangen war, mehrfach gewundene Hörner aus Metall, meist aus Messing oder Kupfer oder vereinzelt auch aus Silber angefertigt, zu verwenden. Ursprünglich war das mittelalterliche Horn ein Signalinstrument, vornehmlich bei Jägern, aber auch bei Hirten, Wächtern und Soldaten war es gebräuchlich. Die Beliebtheit dieser Blasinstrumente mag die Tatsache erhärten, dass sie vielfach als Helmzier bei Turnierrüstungen dienten und zugleich auf vielen Geschlechterwappen zu finden sind, aber auch in einigen Stadtwappen.

Ohne die bereits erwähnten Metallhörner, die in verschiedenen Bauweisen hergestellt waren, ließe sich die ganze Feudalzeit hindurch die höfische Jagd überhaupt nicht vorstellen. Sie gaben ihr erst mit ihren weithin tönenden Fanfaren den feierlichen Glanz. Selbstverständlich durften die Hörner auch nicht bei den Messen fehlen, die oft zu Anfang einer Hubertusjagd geblasen wurden.

Es war schon ein kleines Kunststück, den Instrumenten saubere Töne zu entlocken, und es gehörten schon tüchtige Instrumentalisten dazu, um das zu leisten, was von ihnen verlangt wurde.

Der abgebildete Waldhornbläser aus fürstlichem Gefolge ist dem weltberühmten Werk von Johann Christoph Weigel „Musicalisches Theatrum“ entnommen mit den Darstellungen barocker Instrumente. Johann Christoph Weigel (* 1661; † 1726) war Kupferstecher, Kunsthändler und Verleger mit Bürgerrecht in Nürnberg.

Das es auch einmal Zauberhörner gegeben haben soll, davon erzählt eine originelle und zugleich ergötzliche Sage aus Hessen: Ein hessischer Landgraf hatte einen Diener namens Johann, der sich besondere Verdienste um die Jagd erwarb. Er besaß nämlich ein wunderbares Jagdhorn, und wenn sein Herr irgendein Stück Wild schießen wollte, so brauchte er nur zu sagen: „Johann, blas das Horn!“ Dabei musste er nicht einmal das Wild nennen, an das er gerade dachte, denn sobald Johann in das Horn blies, kam das Tier, das sich der Landgraf wünschte und lief ihm direkt in den Schuss!