Deutscher Wachtelhund

VON WALTER UND JÜRGEN BALTES

 

FCI 8, Apportierhunde – Stöberhunde – Wasserhunde

Sektion 2: Stöberhunde. Mit Arbeitsprüfung

Verwendung: Stöberhund und vielseitiger Jagdgebrauchshund

Der „Deutsche Wachtelhund“ (DW) entspricht dem von Flemming zu Beginn des 18. Jahrhunderts beschriebenen Deutschen Stöberhund. Seit der Gründung des „Deutschen Wachtelhund-Klub“ 1903 wird der „Deutsche Wachtelhund“ als Rassehund mit nachgewiesener Abstammung in Reinzucht gezüchtet. Rudolf Frieß setzte eine getrennte Zucht der Farbschläge Braun und Braunschimmel durch. Die Trennung der Farbschläge erschien durch die früher merkliche Unterscheidung in der Veranlagung der Hunde sinnvoll. Braune galten als Kurzjäger und Braunschimmel als Weitjäger. Durch mehrfache Verbindung beider Schläge sind diese Unterschiede heute nicht mehr von Bedeutung.

Der erste „offizielle“ Wachtelhund war Lord-Augusta, der als Stammvater aller Wachtel-hunde gilt. Er wurde 1897 von einem Jäger „entdeckt“, der sich der alten Rassevertreter aus seiner Jugendzeit erinnerte. Damit begann die Neuzüchtung des Wachtelhundes, der bereits auf einigen aus der Antike stammenden Münzen abgebildet war. Der „Deutsche Wachtelhund“ wird in Deutschland betreut vom Verein für Deutsche Wachtelhunde. Der Begriff „Wachtelhund“ wurde vor Beginn der Reinzucht als eigenständige Rasse für alle möglichen Jagdhundearten (auch Vorstehhunde) verwendet, die bei der Vogeljagd (Wachteljagd) zum Einsatz kamen. Er war also vom Mittelalter bis zur Neuzeit keine Rassebezeichnung, sondern kennzeichnete Hunde nach ihrem Einsatzzweck, wie es in jener Zeit auch bei anderen Jagdhunden üblich war. Forstenhund war eine frühere Bezeichnung für den heutigen Deutscher Wachtelhund.

 

Verbreitung

Der Wachtelhund ist in ganz Deutschland verbreitet. Der Verein hat ca. 4.000 Mitglieder, die in 18 Landesgruppen betreut werden. In Deutschland werden jährlich ca. 700 Welpen eingetragen.

 

Erscheinungsbild

Der Deutsche Wachtelhund ist ein mittelgroßer, langhaariger, sehr muskulöser Stöberhund, mit edlem Kopf und kräftigen Knochen. Insgesamt länger als hoch, keinesfalls hochläufig wirkend.

Widerristhöhe: Rüden: 48-54 cm, Hündinnen: 45-52 cm, Gewicht: 18-25 kg (Hündinnen etwas weniger) sein Körperbau ist robust, langrückig und mit starkem Knochenbau. Der Kopf soll kräftig, trocken und ohne Stirnabsatz sein. Hoch angesetzte, lange Behänge prägen den Kopf des Hundes.

Kräftiges, dicht anliegendes, meist welliges, gelegentlich auch lockiges (Astrachan) oder glattes Langhaar, mit dichter Unterwolle; nicht zu lang, noch weniger dünn oder gar seidig; im Nacken, am Behang und auf der Kruppe häufig lockig; Hinterseite der Läufe und die Rute gut befedert; häufig Halskrause (Jabot); auch am Bauch gut behaart; Fang und Oberkopf kurz, aber dicht behaart; den Behang decken Locken oder dichtes gewelltes Haar, das auch über den Innenrand reicht; die Zehenzwischenräume sind dicht, aber nicht zu lang behaart. Ausdrucksvolle, dunkle Augen, die mandelförmig und gut geschlossen sein müssen, blicken klug und freundlich. An den Läufen und an der meist etwas gekürzten Rute bilden sich längere Haare.

Quelle: Verein für Deutsche Wachtelhunde e.V.

 

Das Wachtel Lied, Quelle: Forum Deutscher Wachtelhund – der Waldgebrauchshund

 

Farbschläge beim Deutschen Wachtelhund

Der Deutsche Wachtelhund kommt hauptsächlich in zwei Farbschlägen vor, nämlich Braun und Braunschimmel, die innerhalb der Rasse weitgehend getrennt gezüchtet werden (d.h. Mischpaarungen müssen genehmigt werden). Allerdings wurden nach dem Krieg, als nur noch wenig Zuchtmaterial vorhanden war, vermehrt Mischpaarungen durchgeführt, so dass heute eigentlich keine „rein braunen“ Linien mehr vorhanden sind, bei den Braunschimmeln ist es ähnlich, da diesen über ausmendelnde Braunschecken immer Blut der braunen Linien zugeführt wurde. So ist es auch heute nicht mehr zutreffend, wie Rudolf Frieß es noch beschrieben hatte, dass die beiden Farbschläge unterschiedliche Arbeitseigenschaften hätten, sondern auch diese haben sich vermischt.

Rudolf Frieß veranlasste die getrennte Zucht in den Farbschlägen Braun und Braunschimmel. Er schuf damit die wesentliche Voraussetzung, trotz der engen Ausgangsbasis der Zucht, durch gezielte Paarungen innerhalb der beiden Schläge Inzuchtschäden zu verhindern. Die Trennung der Farbschläge erschien auch durch die etwas unterschiedliche Veranlagung der Hunde sinnvoll. Braune als Kurzjager, leichter bogenrein zu führen; Braunschimmel als besonders spurwillige Weitjager.

Die unterschiedliche Veranlagung kann heute nicht mehr als zuverlässiges Unterscheidungsmerkmal der beiden Schläge gelten, da zwischenzeitlich aus verschiedenen Gründen mehrfach Verbindungen beider Schläge vorgenommen wurden. Generell gilt jedoch die Trennung zur Erhaltung einer nicht mehr miteinander verwandten Blutreserve innerhalb der Rasse heute noch.

Schecken und Tiger in braun/weiß sowie rot/weiß und die einfarbig Roten werden immer beliebter. In allen Farbstämmen können rote Abzeichen, ein sogenannter Brand auftreten. Nur die Farbe schwarz ist nicht vertreten.

Unterschiede in den Anlagen der Braunen und der Schimmel sind nicht mehr zu erkennen.

Quelle: Forum Deutscher Wachtelhund – der Waldgebrauchshund

 

Charakter

Lebhaft und jagdlich sehr passioniert, freundlich, selbständig und sicher, sehr gelehrig und anpassungsfähig, weder ängstlich noch aggressiv. Der Deutsche Wachtelhund ist mit einem starken Finderwillen ausgestattet, er ist spur- und fährtenwillig, sowie fährtensicher, arbeitet zuverlässig, feinnasig, raubzeugscharf und weiträumig kontrolliert (bogenrein).

Der Deutsche Wachtelhund ist ein gutmütiger, freundlicher Hund, der sich in die Jägerfamilie gerne und gut eingliedert. Er ist bei verständnisvollem Umgang freundlich gegenüber Menschen und zeigt meist einen eher gering ausgeprägten Wach- und Schutztrieb. Der Wachtelhund ist gut im Haus und Zwinger zu halten, er braucht wenig Platz im PKW. Ein liebevoller, aber konsequenter Ausbilder, der eher einfühlsam wie überhart reagiert, hat die besten Erfolge bei der Abrichtung. Ständig fehlender Kontakt zum Führer oder wenigstens zu einem anderen Hund verträgt die Rasse absolut nicht!

 

Lang- oder Kurzjager

Die Diskussion darüber ist relativ, die Größe und Beschaffenheit der Reviere und die Einarbeitung des Junghundes sind entscheidend. Klar ist, der Wachtelhund ist kein “3-Minuten – Hund“, der vor den Stiefeln seines Führers sucht. Die Leistungsanforderung an einen brauchbaren DW ist, dass er, vom Stand geschnallt, selbständig und wildorientiert auch größere Dickungen absucht. Er soll Wild finden, es spurlaut vor die Schützen bringen und sich i. d. R. nach 20–40 Min. wieder beim Führer einfinden.

Er soll mit dem Führer jagen, uferlose Hetzer und Hunde, die nicht zurück wollen, sind unerwünscht.

Quelle: Forum Deutscher Wachtelhund – der Waldgebrauchshund

 

Die jagdlichen Aufgaben

Die Züchter von Wachtelhunden stellen den Jägern einen hoch passionierten, scharfen, einsatzwilligen und spurlauten Hund für die Wald- und Wasserjagd zur Verfügung. Als „Allround-Talent“ eignet sich der DW für alle Aufgaben, die im täglichen Jagdbetrieb anfallen, wenn man vom Vorstehen und der Baujagd absieht. Unter konsequenter Ausbildung und Führung entwickelt er sich schnell zu einem leistungsfähigen Jagdhelfer mit hohem Jagdverstand. Er ist meist ein guter Schweißhund mit der nötigen Hetzpassion, bringt im Wasser Spitzenleistungen und ist erfolgreicher Verlorenbringer.

Jedoch sein ureigenstes Arbeitsgebiet ist das Stöbern, die Arbeit vor dem Schuss. Bei allen Arten von Treib-, Drück oder Bewegungsjagden auf Reh-, Rot- oder Schwarzwild hat der wildscharfe, kontrolliert stöbernde, spurlaute und führerbezogen jagende Wachtelhund sein ideales Einsatzspektrum gefunden. Solche Hunde sind für die Durchführung dieser Jagden absolut notwendig, sollen diese nicht nur erfolglose Geländeübungen sein.

Die Jagd auf Schwarzwild in allen ihren Formen wird immer mehr zum Hauptarbeitsgebiet des Wachtelhundes.

Der Deutsche Wachtelhund wurde und wird ausschließlich von Jägern für Jäger, als Stöber- und vielseitiger Jagdgebrauchshund gezüchtet.

 

Oberforstmeister Rudolf Frieß (* 22. April 1881; † 4. September 1965) war ein deutscher Jäger und Autor von Jagdbüchern mit dem Schwerpunkt Jagdhunde. Er wird auch als Mentor der Wachtelhundentwicklung ab etwa 1906 oder auch als „Wachtelvater“ bezeichnet. Von 1924 bis 1935 war er Oberförster im Forstamt Merzalben.

 

Quellenangabe: Armin Kienle ehem. Zuchtwart DW, Verein für Deutsche Wachtelhunde e.V., Deutsches Jagdlexikon, Forum Deutscher Wachtelhund – der Waldgebrauchshund, u. a.