Faulbaum

Frangula alnus MILLER

Von Ernst-Otto Pieper

 

Faulbaum; Foto: E.-O. Pieper

Klasse:           Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrige (Rosopsida)
Unterklasse:  Rosenähnliche (Rosidae)
Ordnung:        Rosenartige (Rosales)
Familie:          Kreuzdorngewächse (Rhamnaceae)
Gattung:         Faulbäume (Frangula)
Art:                 Faulbaum

Die Gattung Frangulaumfasst 50, vorwiegend in Eurasien und Nordamerika beheimatete, unbewehrte Holzgewächse. In Europa sind 3 Arten vertreten, nur eine davon in Mitteleuropa.

Auch:              Pulverholz, Pulverbaum, Schusterholz

 

Kennzeichen:

  • Wuchsform:Strauch oder kleiner Baum
  • Wuchshöhe: Strauch 1,5 bis 3 m,Baum bis 7 m
  • Stamm:
  • Zweige/Borke:Graubraun; flach-längsrissig; gibt einen leicht faulige Geruch ab (Name); mit zahlreichen, länglichen, hellbraunen Korkwarzen.
  • Blätter:Sommergrün; eiförmige Laubblätter mit Seitennerven, die leicht zur Blattspitze hin gebogen sind; wechselständig.
  • Blüten:Zwittrig; 5-zählig; mit den Laubblättern erscheinend; mit intensiv-süßlichen, angenehmen Geruch; Bestäubung durch zahlreiche Insektenarten; auch Selbstbestäubung ist möglich.
  • Blütezeit:Mai bis August; in der Rheinebene bereits ab Mitte April
  • Frucht:beerenartige Steinfrüchte, die zunächst grün, dann rot und im reifen Zustand blauschwarz sind. Früchte können eine stark giftige Wirkung haben (Gefahr für Kinder).
  • Fruchtreife:Juli bis Oktober; charakteristisches Merkmal ist, dass die Früchte nicht gleichzeitig reifen.
  • Holz:Grobfaserig, leicht und weich, im schmalen Splint hellgelb, im Kern ziegelrot.
  • Wurzel:

Natürliches Vorkommen:

  • Nördlichstes Nordwestafrika, Iberische Halbinsel bis Westsibirien, Kleinasien, Nordiran. Fehlt auf den großen Mittelmeerinseln, dem Südteil der Balkan-Halbinsel sowie weiten Teilen Nordskandinaviens
  • Bis 1400 m NN

Heutiges Verbreitungsgebiet:

  • Europa, Sibirien, Vorder- bis Mittelasien, westliches Nordafrika. Im nordöstlichen Nordamerika wurde er eingebürgert.

Standort:

  • Erlenbrüche, Niedermoore, Auwälder und in lichten Laub- und Mischwäldern

Boden:

  • Staunasse bis wechselfeuchte, magere, basenreiche bis basenarme oder saure, tiefgründige Torf-, Lehm-, Ton-und Sandböden.

Vermehrung:

  • Die Früchte werden von Vögeln verzehrt, die so für die Verbreitung der Pflanze sorgen.

Alter:

  • Meist über 60 Jahre

Namensherkunft:

  • Frangulaleitet sich von lat. „frangere“ = brechen ab, bezogen auf das recht brüchige Holz.
  • Aufgrund des fauligen Geruchs der frischen Rinde erhielt der Faulbaum seinen deutschen Namen.

Nutzung:

  • Holzkohle aus Faulbaumholz ist wegen ihrer niedrigen Graphitierung und wegen geringer Ascherückstände bei der Verbrennung besonders geeignet zur Herstellung von Schwarzpulver (Pulverbaum, Pulverholz). Mit Einführung des Zellulosenitrats ging die Verwendung seit Ende des 19. Jahrhunderts stark zurück und beschränkt sich heute auf die Herstellung von Jagdschwarzpulver.
  • Früchte und Rinde wurden in der Vergangenheit als Färberrohstoff für Textilien und Haare verwendet. Je nach Stoffart erzielte man mit der Rinde goldgelbe bis rotbraune, mit den Früchten zitronengelbe bis senfgelbe Farbtöne.
  • Es wurde früher für Drechselarbeiten, in der Tischlerei sowie zur Herstellung von Holznägeln und Fassspunden genutzt.
  • Die aus dem Holz gewonnene Holzkohle ist von höchster Qualität.

Problematik:

  • Unreife Beeren sowie Blätter und junge Rinde können nach Einnahme zu Magen- und Darmbeschwerden führen
  • Die Rinde enthält die Wirkstoffabkömmlinge Anthron und Anthranol. Erhitzen oder mindestens einjährige Lagerung oxidieren die Wirkstoffe zu Anthrachinonen. Danach kann die Rinde als Tee zubereitet werden, der zusammen mit anderen Pflanzen als Abführmittel oder gegen Blähungen wirkt (Droge „Cortex Frangulae“).

Besonderheiten:

  • Der Faulbaum ist neben anderen Arten der Kreuzdorngewächse Nahrungspflanze der Raupen des Zitronenfalters, der Brombeer-Zipfelfalter und der Faulbaum-Bläulinge.