Kurzumtriebsplantagen

Züchtung schnellwachsender Baumarten für die Produktion nachwachsender Rohstoffe im Kurzumtrieb

Von Ernst-Otto Pieper

 

Am 11. Oktober hatte ich die Gelegenheit zum Besuch der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Hannoversch Münden.

Diese ist eine gemeinsame Forschungseinrichtung und Dienststelle der Länder Hessen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Neben praxisnaher forstlicher Forschung berät sie in den genannten Ländern Waldbesitzer, Forstbetriebe, Verwaltungen und die Politik. Hierfür stehen 130 fest angestellte Mitarbeiter an den beiden Standorten Göttingen und Hann. Münden zur Verfügung. Hinzu kommen in wechselnder Anzahl Beschäftigte in befristeten Projekten.

Die Versuchsanstalt ist in die Abteilungen A bis D untergliedert, die sich mit Waldwachstum, Waldschutz, Waldgenressourcen und Umweltkotrolle mit entsprechenden Sachgebieten beschäftigen.

In Hannoversch Münden ist die Abteilung Waldgenressourcen angesiedelt. Die Aufgaben dieser Abteilung liegen in der Erhaltung und in der nachhaltigen Nutzbarmachung forstlicher Genressourcen.

Frau Christina Fey-Wagner und Herr Thilo Schuppelius empfingen uns herzlich in den Räumlichkeiten der NFV und erläuterten in Wort und Bild die Aufgaben der Einrichtung und gingen besonders auf die Züchtung schnellwachsender Baumarten für die Produktion nachwachsender Rohstoffe im Kurzumtrieb (FastWOOD) ein.

Hierzu einige Informationen:

  1. Die Bundesregierung hat anspruchsvolle Ausbauziele für erneuerbare Energien formuliert: Beim Gesamtenergieverbrauch sollen bis 2020 mindestens 20 Prozent davon aus erneuerbaren Energiequellen stammen. Bis 2050 soll mehr als die Hälfte des deutschen Primärenergieverbrauchs aus regenerativen Quellen kommen.
  2. Die Vorteile nachwachsender Rohstoffe gegenüber fossilen Energieträgern sind vielfältig. So sind nachwachsende Rohstoffe weitgehend CO2-neutral und verschärfen bei ihrer Nutzung nicht den Treibhauseffekt.
  3. Aus vorhandenem Material werden im ersten Schritt Schwarz- und Balsampappelklone selektiert und in Feldversuchen auf die Anbaueignung für den Kurzumtrieb getestet. Parallel werden auch neue Klone über kontrollierte Kreuzungen gezüchtet, die im zweiten Schritt ebenfalls in Feldversuchen getestet werden. Pappelklone, die sich in diesen Feldversuchen als geeignet erwiesen haben, werden nach Forstvermehrungsgutgesetz (FoVG) als Geprüftes Vermehrungsgut zugelassen und stehen dann der Praxis für den Anbau zur Verfügung.
Einjährige KUP mit Pappelhybriden. Ein Vorstecker erleichtert das Einbringen der Steckhölzer; Foto: E.-O. Pieper
Dreijährige KUP mit Pappel-Hybriden. Die Bäume haben eine Höhe von mehr als 9 m erreicht; Foto: E.-O. Pieper

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Anbau von schnellwachsenden Baumarten auf landwirtschaftlichen Flächen weist im Gegensatz zu landwirtschaftlich erzeugten nachwachsenden Rohstoffen wie Mais, Getreide oder Raps, eine deutlich effizientere Energieumwandlungsrate auf und stellt daher eine sinnvolle Ergänzung bzw. Alternative dar. Herr Schuppelius wusste zu berichten, dass etwa 30 ha Fläche für den Anbau im Kurzumtrieb ausreichen, um einen mittelgroßen landwirtschaftlichen Betrieb komplett mit Energie zu versorgen!

Im Außengelände wurden auf dem Feld 1 einjährige Pappel-Hybriden gezeigt. Herr Schuppelius erläuterte, dass selbstverständlich der Boden vor dem Einbringen der Steckhölzer entsprechend vorbereitet werden muss. Beim Einsatz von Herbiziden ist zu beachten, dass unter Umständen Ausnahmegenehmigungen erforderlich sind. Anschließend werden die Steckhölzer zu einem Drittel in den Boden gedrückt, wobei sogenannte Vorstecker unterschiedlicher Länge

 (entsprechend der Länge der Steckhölzer) eine große Hilfe sind. Das Pflanzgut sollte frisch, gerade und verholzt und die Knospen noch geschlossen sein. Auf dem Feld waren die Steckhölzer in Einzelreihen mit 2 m Reihenabstand eingebracht. Innerhalb von nur sieben Monaten hatten die Steckhölzer eine Länge von über 1,6 m erreicht.

Die 3-jährigen Pappel-Hybriden auf Feld 2 brachten uns alle ins Staunen. Die Länge der Messlatte reichte nicht mehr aus und so musste diese mit der Hand angehoben werden, um die Spitze der Bäume zu erreichen – unglaublich! Der Stammdurchmesser betrug durchschnittlich 7,5 cm.

In diesem Alter ist die Umtriebszeit beendet und im kommenden Winter wird die Plantage zu Hackschnitzel verarbeitet. Die auf den Stock gesetzten Bäume treiben dann im folgenden Frühjahr wieder in deutlich stärkerem Maße aus, so dass im sechsten Jahr mit einem noch größeren Ertrag gerechnet werden kann.
Grundbesitzer, die landwirtschaftlich nutzbare Flächen haben (insbesondere unrentable Flächen), sollten unbedingt Verbindung mit der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Hannoversch Münden aufnehmen.

Wir waren trotz Regen außerordentlich beeindruckt!