Niederwildhege nach dem letzten Weltkrieg

 

Von Wildmeister Dieter Bertram

 

Der junge Berufsjäger Rudolf Greiner, ausgebildet in der Niederwild- Hegegemeinschaft Bad Kreuznach-Bingen unter Oberjäger Wilhelmi, trat seine erste Anstellung im Jahr 1955 in einem 4.200 ha großen Revier an.

Es handelte sich um die Reviere Ingelheim, Ingelheim – Nord, Sporkenheim und Gaulsheim. Revierinhaber war der ortsansässige Industrielle Albert Boehringer.

Der Auftrag war, dass durch Kriegs und Nachkriegsjahre heruntergekommene Niederwildrevier in einem Obst -, Spargel-, Kartoffel- und Getreidegebiet zusammen mit drei Jagdaufsehern aufzubauen, wobei der Schwerpunkt in der Fasanen- und Rebhuhnhege lag.

Um einen Fasanenstamm aufzubauen, wurden fünf Volieren in den Größen 5 x 7 m errichtet und je mit sechs Hennen und einem Hahn aus der Fasanerie Gensingen, heute LJV Rheinland-Pfalz besetzt.

Die Gelege wurden täglich eingesammelt, fachgerecht gelagert um sie später durch Hühnerglucken ausbrüten zu lassen. In örtlichen Kleinanzeigen wurden Glucken zu einem geringen Preis gekauft und in hergestellten Brutkisten zunächst auf Gips Eier gesetzt um die Zuverlässigkeit der Bruthennen zu prüfen. Tägliches Hochheben, Futter und Wasser geben war selbstverständlich erforderlich um sie danach fest auf den Fasaneneiern brüten zu lassen.

In der Aufzugkiste bekamen die Kücken nach dem Abtrocknen auf einer kurzgemähten Wiese Auslauf in einem drei Meter langen Pfärch. Die Glucke blieb in der Kiste, übernahm das Füttern und Hudern. In der Nacht kam ein Drahtschieber vor die Aufzuchtkiste um die Tiere vor Raubwild zu schützen.

Beim Hellwerden wird der Schieber gezogen und die Kücken können ins Freie. Die Aufzugskiste und das Gatter werden täglich aus Gründen der Sauberkeit versetzt. Gefüttert wurde mit kleingehackten Eiern, geschnittener Schafgabe und einem Aufzuchtfutter.

Zur Vermeidung von Krankheiten wurden Futter – und Wassergefäße täglich gesäubert. Nach wenigen Wochen, wenn die Kücken bereits einige Meter streichen konnten, wurde das Gatter entfernt. Der Aufzugsstandort war so ausgewählt, dass die Jungfasanen nicht nur Aufbaumöglichkeiten in Sträuchern und Bäumen besaßen, sondern dass sie vom gleichen Platz ausgewildert wurden, ohne sie fangen zu müssen.

Ein besonderes Verfahren hatte Rudolf Greiner für, ebenfalls mit Zwerghühnern ausgebrütete Eier, die von Bauern ausgemäht wurden. Fünf DM erhielten die Landwirte vom Jäger für jedes ausgemähte und abgelieferte Fasanen- und Rebhuhngelege. Die Rebhuhnkücken erhielten Mehlwürmer.

Durch tagelange genaue Beobachtung hatte der Berufsjäger im Revier führende Rebhühner ausgesucht. Im Alter von nur 14 Tagen setzte er die Kücken in unmittelbarer Nähe einer Rebhuhnkette aus. Es konnte beobachtet werden, wie die Kücken von den Althühnern adoptiert wurden. Auch später konnten die besonders stückzahlstarken Ketten beobachtet werden.

Wegen dieses besonderen Verfahrens wurde er in bekannte Niederwildreviere nach Schweden eingeladen. Die jährlich mit Hühnerglucken aufgezogenen und ausgewilderten Fasanen und Rebhühner bewegten sich bei ca. 500 Fasanen und 50 Rebhühnern.

Für die Federwildjagd hatte Rudolf Greiner drei Vollblut-Pointer aus England hasenrein bzw. gehorsam am Hasen in der Feldarbeit vorzubereiten. Für die Wasserarbeit wurde ein DD geführt. In einem Altrheinarm gab es nicht nur Enten und Gänse, sondern auch Rohrdommeln.

Geringwertige Felder wurden vom Revierinhaber gekauft und mit Korbweidenstecklingen in kurzfristige Deckung umgewandelt. Dass die Raubwild- und Raubzeugbejagung intensiv erfolgte, war selbstverständlich. Ein Heer von streunenden Katzen, die vom Falter und Jungvogel bis zum gleichgroßen Säugetier alles Erreichbare töten auch ohne Nahrungsbedürfnis, gab es nicht in den heutigen Ausmaßen.

 

Zusammenfassung.

Die Uhr ist nicht zurückzudrehen in die Zeit der 50ger Jahre mit Kleinfelderwirtschaft, die spritzmittelfrei von Kuhgespannen bearbeitet wurden. Der Verdrängungskampf setzt sich unwiderruflich nicht nur gegen die kleinbäuerliche Landwirtschaft, sondern auch gegen die Artenvielfalt von Fauna und Flora durch.