Steirische Rauhaarbracke

Von Silvia Gabler

Geschichte

Im Gegensatz zu den meisten hier im Jagdhundelexikon beschriebenen Brackenrassen stammt die Steirische Rauhaarbracke nicht in direkter Linie von den mittelalterlichen Bracken ab, sondern entstand durch gezielte Kreuzungen zweier bereits bestehender Rassen.

In Österreich stellt man gegen Ende des 19. Jahrhunderts, genau wie in Bayern fest, dass die vorhandenen Schweißhunde der Fürstenhofrasse, die Hannoverschen Schweißhunde zwar für die Jagd auf dem flachen Land, nicht aber für Jagden im unwegsamen, gebirgigen Gelände tauglich waren.

Die Hunde schienen zu groß, zu schwer und auch aufgrund des fehlenden Spurlautes nicht für den Hochgebirgsjäger geeignet.

Man wünschte sich einen Hund, der sowohl die Vorzüge der Schweißhunde als auch die Eigenschaften der laut jagenden Bracken besaß.

Karl Peintinger

Um 1870 begann dann Karl Peintinger dieses Zuchtziel zu verfolgen. Er hatte sich dafür die Schweißhündin „Hella I“ aus Hannover kommen lassen und kreuzte diese mit einem vorzüglichen, rauhaarigen Istrianer Brackenrüden. Wobei bis heute nicht ganz geklärt werden konnte, ob es sich bei dem Zuchtrüden nicht doch eher um einen Vertreter jener Rasse gehandelt hat, die heute als Bosnische Bracke bekannt ist. Die Welpen die daraus fielen, zeichneten sich jedenfalls durch rote Farbe und vorzügliche Nase aus, einige waren bereits rauhaarig, doch auch glatthaarige waren darunter. Auch den gewünschten „Brackenlaut“ wiesen nicht alle davon auf. Natürlich nicht verwunderlich, wenn man sich die Mendelschen Gesetze in Bezug auf die sogenannte F1 Generation vor Augen führt.

Eine glatte Hündin namens „Holle“ aus diesem ersten Wurf, wurde von einem, ebenfalls von Karl Peintinger gezogenen rauhaarigem Hund „Schnautz“ gedeckt. Aus dieser Verbindung entstand „Tiras I“ – der erste rote rauhaarige Hund. Dieser zeugte später mit einer verwandten, glatten roten Hündin „Waldine“, unter anderem „Tiras II“.

Im Jahre 1874 holte sich Karl Peintinger erneut einen Hannoverschen Schweißhund der Jägerhofrasse, den Rüden „Judas“. Dieser deckte in Bruck an der Mur eine Braunschweiger Schweißhündin, die im Besitz eines Tierarztes namens Koethe war. Aus diesem Wurf stammt eine Hündin „Hella II“, die dann von dem schon erwähnten Rüden „Tiras II“ gedeckt, die Hunde „Courage“, „Zigeuner“ und „Tiras III“ warf.

Mit diesem Hundetrio konnte dann Karl Peintinger 1884 auf einer Hundeschau Rundschau in Bruck an der Mur großes Aufsehen erregen. Leider war aber auch diesmal wieder keine rauhaarige Hündin für die Weiterzucht vorhanden und so ließ Peintinger, nachdem sein Kreuzungsversuch mit importierten, westfälischen Bracken misslungen war, zwei glatthaarigen Hündinnen von den rauhaarigen Rüden „Zigeuner“ und „Courage“ decken. Eine der beiden Hündinnen stammte von „Hella II“ ab und auch die andere, die im Besitz eines gewissen Thunhart in Hafning stand, soll bereits Schweißhundeblut in sich getragen haben.

Bessi von der Jagermahd

Die Nachkommen beider Verbindungen waren dann auch vollkommen rauhaarig und rot, sodass Peintinger schon 1886 anlässlich einer Hundeausstellung in Wien sieben rote rauhaarige Hunde vorstellen konnte. Diese Rasse fand bald begeisterte Liebhaber. Als Peintinger dann endlich auf einer Ausstellung drei konforme Generationen nachweisen konnte, erhielten die Hunde unter dem Namen*:**“Steirische rauhaarige Hochgebirgsbracke“* die Anerkennung des Österreichischen Hundezuchtvereines und die Eintragungsberechtigung in das Österreichische Hundezuchtbuch.

Leider gibt es für die Jahre nach dem Tod Peintinigers am 31.08.1896 so gut wie keine Berichte über die Entwicklung der Rasse. Bei Hans Räber ist von einem Baron George Washington auf Liesingau bei Mautern die Rede, auch von einem gewissen Thunhard und schließlich von Veterinärrat Otto Byloff, dessen Namen man eigentlich erst viel später, nämlich 1946 im Zusammenhang mit dem Brackenklub finden kann. Die Geschichte der Steirischen Rauhaarbracke ist natürlich untrennbar mit der Geschichte der Brackenklubs und -vereine Österreichs verbunden, sodass an dieser Stelle auch zwangsläufig darauf eingegangen werden muss.

Unter der Führung von Rudolf Klotz rief man 1896 den *Österreichischen Brackenklub*, mit Sitz in Wien ins Leben. Allerdings wurde dieser erste Klub für Bracken bald wieder aufgelöst.

Erst etliche Jahre später, nämlich nach dem ersten Weltkrieg im Jahre 1922 unternahm man in Sachen Brackenklub einen erneuten Anlauf, der *Süddeutsche-Österreichische Brackenklub*, wurde durch den bekannten Jagdschriftsteller Grünbauer gegründet.

1937 übernahm Richard Saurwein die Führung des „*Österreichischen Brackenklubs“* mit Sitz in Innsbruck. Doch schon 1938 ging dieser Klub, unter dem NS Regime in der Fachschaftsgruppe „Hochläufige Bracken“ auf.

Nach Beendigung des zweiten Weltkrieges wurde im Jahre 1946 die Satzung des *Österreichischen Brackenklubs* durch die Sicherheitsdirektion für Tirol genehmigt.

Bereits vier Jahre später, im Jahre 1950 kam es zur Auflösung dieses Klubs, der bis zu diesem Zeitpunkt sowohl Brandlbracke, Steirische Rauhaarbracke und Tiroler Bracke betreut hatte. Man gründet stattdessen zwei neue Vereine, nämlich den *“Österreichischen Brackenverein“* in dessen Zuständigkeitsbereich die Betreuung von Brandlbracke und Steirischer Hochgebirgsbracke fällt und den *“Klub Tirolerbracke“, * der ausschließlich für diese Rasse zuständig ist.

In Deutschland gab es kaum Steirische Rauhaarbracken und somit auch nur eine geringe Anzahl von Zuchten dieser Österreichischen Rasse. Da nur ab und zu Würfe fielen, konnten sich auch keine bestimmten Linien ausbilden. Herzog Albrecht von Bayern, der ein begeisterter Hochgebirgsjäger war, und darüber auch einige Bücher veröffentlichte, erwarb einige Steirische Rauhaarbracken für die Jagd. Schließlich baute er zusammen mit seinem Jagdleiter, Oberförster Stefan Erl, eine Zucht dieser Rasse auf. Zwischen 1959 und 1973 fielen acht Würfe, die Welpen daraus bekamen Papiere vom *Deutschen Bracken-Club (DBC)*.

1970 fielen im 1968 gegründeten „*Deutschen Brackenverein“* zwei Würfe der Steirischen Rauhaarbracke in zwei verschiedenen Zwingern.

Zwischen 1967 und 1974 wurden im Zwinger „Von der Paindlwiese“ der vom Berufsjäger Josef Krall aus Vorderriß und dem Großherzog Jean von Luxemburg gemeinsam geführt wurde, sechs Würfe gezogen. Für die Welpen aus vier dieser Würfe gab es ebenfalls Ahnentafeln des *DBC*.

Von 1975 bis 1980 fielen im Zwinger „Vom Kotthof auf der Eck “fünf Würfe mit insgesamt 30 Welpen,

In jüngster Zeit scheint sich eine leichte Zunahme der Würfe sowohl in Deutschland als auch in Österreich abzuzeichnen. In enger Zusammenarbeit zwischen *dem Deutschen Brackenverein* und dem Österreichischen Brackenverein ist man bemüht, diese Rasse bei der Jägerschaft bekannter zu machen, die Zucht zu fördern und damit diese Rasse am Leben zu erhalten.

In Österreich wurden mittlerweile rauhaarige Istrianerbracken zur Blutauffrischung eingekreuzt.

Beim *VDH* konnte 2004 mit 46 Eintragungen ein bisheriges Hoch verzeichnet werden, 2005 fielen 34, in den Jahren 2006 und 2007  29 bzw. 27 Steirische Rauhaarbracken Welpen, während es vor zehn Jahren 1998 nur 4 Eintragungen waren.

Im *Österreichischen Brackenverein* wurden 2007 36 Welpen eingetragen. Davon traten immerhin 13 den Weg nach Deutschland an. Man kann also davon ausgehen, dass für diese Hunde hierzulande eine verstärkte Nachfrage besteht.

Wesen und Verwendung

Die Steirische Rauhaarbracke wird, wie ihr alter Name „Steirische rauhaarige Hochgebirgsbracke“ schon sagt, in ihrem Heimatland Österreich und auch in Deutschland hauptsächlich in Hochgebirgsrevieren eingesetzt. Sie eignen sich nicht nur hervorragend zur Fuchs- und Hasenjagd, sondern auch für die schwierigsten Nachsuchen im steilen, steinigen Gelände auf Schalenwild.

Inzwischen findet sie aber auch immer öfter Verwendung in Schalenwildrevieren der Mittelgebirge und im Flachland, dabei tritt die Schweißarbeit immer mehr in den Vordergrund. Sie gilt als ein vielseitiger, intelligenter und ausdauernder Gebrauchshund. Aufgrund ihres rauen und dichten Haarkleides steht sie im Ruf, besonders unempfindlich gegen Witterungseinflüsse, wie Schnee, Eis, Regen und Wind, wie man sie im Hochgebirge vorfindet, zu sein.

Die Steirische Rauhaarbracke besitzt nicht nur ein hervorragendes Orientierungsvermögen, sondern auch, den in Österreich und Deutschland, so geschätzten Spurlaut. Auch einen ausgezeichneten Spurwillen, Wildschärfe, Leichtführigkeit und eine sehr gute Eignung zur Schweißarbeit sind bei der Steirischen Rauhaarbracke vorhanden.

Diese Hunderasse stellt somit einen angenehmen und zuverlässigen Revierbegleiter dar. Sofern dieser Hund auch seine Jagdpassion ausleben kann, ist er in der Familie ein ruhiger, ausgeglichener und auch kinderfreundlicher Hund. Diese Brackenrasse wird sowohl vom ÖBV als auch vom DBV nur in Jägerhände abgegeben.

Da pro Jahr in Österreich und Deutschland zusammen addiert in etwa nur 60 Welpen fallen, dürften nur in Ausnahmefällen Steirische Rauhaarbracken in Nichtjägerhände gelangen. Hier an dieser Stelle sei noch einmal vor dem weit verbreiteten Irrtum gewarnt, dass Jagdhunde, die aufgrund körperlicher Handicaps, Schussscheue oder auch krankheits- und/oder altersbedingt nicht(mehr) jagdtauglich sind, keinen Jagdtrieb aufweisen würden.

Ersatzbeschäftigungen wie Obedience, Fährtenarbeit und ähnliches sind in jedem Fall notwendig, damit dieser Hund seine guten Wesenseigenschaften nicht. verliert.

*Standard*

*FCI – Standard Nr. 62 / 10. 10. 1995  /  D*

_STEIRISCHE RAUHHAARBRACKE_

*_URSPRUNG_: Österreich.

*_DATUM DER PUBLIKATION DES GÜLTIGEN _*_*ORIGINAL- STANDARDES*: 10.10. 1995.

*_VERWENDUNG_*: Die Arbeit besteht nicht nur aus Brackieren, sondern auch vielfach aus reiner Schweißarbeit in schwierigen Gebirgsgegenden.

*_KLASSIFIKATION FCI_*: Gruppe 6         Laufhunde, Schweißhunde und verwandte Rassen.

Sektion 1.2   Mittelgroße Laufhunde.

Mit Arbeitsprüfung (Brackier- und Schweißprüfung).

 

*_KURZER GESCHICHTLICHER ABRISS_*: Carl Peintinger, Gewerke (Industrieller) in der Steiermark, begann 1870 die Zucht mit der Hannoveraner Schweißhündin „Hela I“ und einem jagdlich vorzüglichen und im Exterieur hervorragenden rauhaarigen Istrianer Brackenrüden. Die besten Hunde aus diesem Wurf wurden aufgezogen und mit diesen weitergezüchtet. Das raue Haarkleid macht den Hund gegen Wettereinflüsse widerstandsfähig.

*_ALLGEMEINES ERSCHEINUNGSBILD_*: Mittelgroße, kräftige Muskulatur, ernster Ausdruck, aber nicht bösartig.

*_VERHALTEN / CHARAKTER (WESEN)_*: Passionierter, harter Jagdhund mit lockerem Spurlaut, Spursicherheit und Spurwillen.

*_KOPF_*:

_OBERKOPF_:

_Schädel_: Leicht gewölbt, Hinterhauptbein gut entwickelt.

_Stop: Deutlich.

_GESICHTSSCHÄDEL_:

_Nasenschwamm_: Schwarz. __

_Fang: Kräftig, gerade.

_Lefzen_: Nicht überhängend.

_Kiefer / Zähne: Kräftiges Scherengebiss. Gewünscht ist ein vollständiges Gebiss mit 42 Zähnen. Das Fehlen von insgesamt zwei PM1 oder PM2 (Prämolaren 1 oder 2) wird toleriert. Die M3 (Molaren 3) werden nicht berücksichtigt.

_Augen_: Mit brauner Iris.

_Behang_: Nicht übermäßig groß, glatt anliegend, fein behaart.

*_HALS_*: Kräftig, nicht zu lang.

*_KÖRPER_*:

_Rücken_: Gerade, breit.

_Lendenpartie_:  Mäßig aufgezogen.

_Kruppe_: Schräg abfallend.

_Brust_: Tief und breit.

*_RUTE_*:  Mittellang, an der Wurzel stark, gut behaart, nie aufgerollt, sondern leicht sichelförmig nach aufwärts getragen, auf der Unterseite eine Bürste, aber keine Fahne bildend.

*_GLIEDMASSEN _*

_VORDERHAND_: Läufe geradegestellt, muskulös, gute Winkelung.

_Schultern_: Schräg gelagert.

_HINTERHAND_:

_Allgemeines_: Muskulös, kräftig, gut gewinkelt, von hinten gesehen geradegestellt.

_PFOTEN_: Nicht übermäßig groß, Zehen gut gewölbt, eng aneinander liegend; Ballen hart, nicht übermäßig groß.

*_GANGWERK_*: Raumgreifend, elastisch.

*_HAARKLEID_*

_HAAR _: Rauhaar, nicht zottig, glanzlos, hart und grob. Die Kopfbehaarung ist kürzer als am Leibe, einen Schnurrbart bildend.

_FARBE_: Rot und fahlgelb. Weißer Bruststern ist gestattet.

*_GRÖSSE_*:                                                  45 – 53 cm.

_Widerristhöhe_:               Rüden:                 47 – 53 cm,

Hündinnen:        45 – 51 cm.

*_FEHLER_*: Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten muss als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte.

* Kopf zu schmal. *__*

* Behang faltig, zu spitz.

* Rute zu kurz, zu dünn, zu stark aufwärts gekrümmt, eine Fahne bildend.

* Schwache Läufe.

* Behaarung zu lang, zu dünn, gekräuselt oder weich.

* Scheuheit. *__*

*_AUSSCHLIESSENDE FEHLER_*:

Aggressiv oder ängstlich.

Vor- und Rückbiss; Fehlen von mehr als insgesamt 2 PM1 oder PM2

Jede andere Farbe als im Standard angegeben.

 

*_N.B._*: Rüden müssen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen.

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*Texte zur Geschichte und Verwendung:    Silvia Gabler

Eine Aktualisierung ist in Bearbeitung.

Quellenangabe:

* *****Photo* auf dieser Seite: * „**Bessi von der Jagermahd**“*Steirische Rauhaarbracken Hündin, Besitzer Josef und Marion Schnitzhofer, Österreich, Zwinger *“vom Hirschkogel“*  <http://www.brandlbracke.at/>www.brandlbracke.at

<http://www.brandlbracke.at/>**

* *Standard FCI* <http://www.fci.be/><http://www.fci.be/>www.fci.be

<http://www.fci.be/>**

* *Eintragungszahlen VDH*

<http://www.vdh.de/><http://www.vdh.de/>www.vdh.de

<http://www.vdh.de/>**

* *Österreichischer Brackenverein* www.bracken.at <http://www.bracken.at/>

* *Brackenlaut* Mitteilungsblatt des ÖBV

* *Deutscher Brackenverein* www.bracken.de <http://www.bracken.de/>

* *Deutsche Jagdzeitung* Ausgabe 6/2005

* *Enzyklopädie der Jagdhunde* Hans Räber Kosmos Verlag

* *Vor und nach der Jägerprüfung* Krebs BLV

* *Jagdhunde in Deutschland* Bernd Krewer

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Fotos: Jürgen Baltes, „**Benita von der Brandschmiede**“*Steirische Rauhaarbracken Hündin

Benita von der Brandschmiede

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Benita von der BrandschmiedeBenita von der BrandschmiedeBenita von der Brandschmiede Benita von der Brandschmiede

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