Wandmalerei in Oberhausen (Rhld.)

Von Walter und Jürgen Baltes

Am Anfang stand die Idee, die kahle Garagenwand zum Garten hin ansehnlich herzurichten. Darüber hinaus sollte ein ganz besonderes „Porträt“ die Wand künftig einzigartig machen. Trophäenträger sind für viele Jäger etwas ganz Besonderes und schmücken schon viele Wände und Erleger. Diese Wand sollte weibliches Rotwild mit Nachwuchs zieren, wie wir es häufig im Revier Üfter Mark sehen dürfen. Unser Freund, Max Beemelmans, sollte eigentlich ein Alttier mit Kalb und Spießer aktuell im Juli fotografieren. Doch es kam wie es kommen musste. Die Zeit drängte und es kam nicht dazu. Stattdessen war Jürgen Baltes zufällig mit seiner Frau Evelyn, Hund Daika und Andrea Dahlhaus unterwegs und zusammen konnten sie mehrere Fotos von einem Kahlwildrudel machen.

 

 

 

 

 

 

 

Der Spießer „spielte“ übrigens nicht mit, er äste rechts hinten, aber es war trotzdem eine erlebnisreiche Szene mit ruhigen, aber aufmerksamen Alttieren.

Selbstverständlich sollte später auch noch die 13-jährige Rauhhaarbracke Daika (Benita von der Brandschmiede) in die Szene „eingeschmuggelt“ und verewigt werden. Es ging schließlich nicht um die absolut reale und rationale Darstellung, sondern um etwas ganz Besonderes, dass einzigartig ist.

 

 

 

 

Alle zwei Jahre findet die Hauptversammlung vom Verein „Deutscher Brackenverein e.V.“, traditionell am Walchensee bei Krün (Karwendelgebirge) statt. Unweigerlich besucht man auch Mittenwald und kann dort schöne Wandmalereien betrachten. Lüftlmalerei (auch Lüftelmalerei geschrieben) bezeichnet die im süddeutschen und österreichischen kleinstädtisch-ländlichen Raum heimische Kunstform der Fassadenmalerei, insbesondere in Oberbayern (Werdenfelser Land) und in Tirol. Vielleicht haben diese Werke dazu beigetragen, ein eigenes (anderes) Wandbild zu besitzen.

Die Herkunft der Bezeichnung ist umstritten, wahrscheinlich stammt sie aber vom Heimathaus des Fassadenmalers Franz Seraph Zwinck (1748–1792) aus Oberammergau, Zum Lüftl. Die Lüftlmalerei ist eine volkstümliche Variante des Trompe-l’œil (Scheinmalerei) aus dem Barock und imitiert Architekturelemente. Eingebettet sind, wie in der Hocharchitektur, auch bildliche Kartuschen, Spiegel und Felder. Deren Sprachschatz erstreckt sich vom Hauspatron oder Hauszeichen über biblische Darstellungen bis hin zu den klassischen Motiven der Bauernmalerei aus dem ländlichen Alltag und der Jagd. Auch Spruchbänder mit Wahlsprüchen sind verbreitet. Weiters ist die Sonnenuhr beliebtes Element.

Die Bilder werden dabei in einer Freskotechnik auf den frischen Kalkputz aufgetragen, wobei die Farben in einer chemischen Reaktion mit dem Putz verkieseln und die Gemälde lange Zeit überdauern können. Heute werden auch andere wetterfeste Malmittel verwendet.

Zurück zur schönsten Garagenwand im Revier. Die Untergrundbehandlung und den Anstrich, mit entsprechender sehr guter Farbe, begleitete beratend der selbstständige Malermeister Armin Günther aus Oberhausen. Schnell war die Wand vorbereitet und Andrea Dahlhaus konnte loslegen.

 

 

 

 

 

 

Im Wildhüter Nr. 2 und Nr. 3 – 2015 wurde Andrea Dahlhaus aus Schermbeck erstmals mit ihren Werken vorgestellt. Seit mehreren Jahren arbeitet sie, d. h. malt und zeichnet, vorwiegend von zu Hause aus. Dabei liegt ihr sowohl die Öl- und Acrylmalerei, als auch das Zeichnen mit Aquarellfarben und Pastellkreiden am Herzen.

Am meisten begeistert sie jedoch das Porträtieren von Mensch und Tier mit Bleistift oder Kohle. Diese Leidenschaft brachte ihr schon viele Tierporträtaufträge ein. Als Vorlage dienen digitale Fotos per E-Mail oder mehrere gute Fotografien, auf denen der Blick und die typische Haltung, z. B. des Hundes, zu sehen sind.

Alfred, Pia, Anton, Brummi und Bruno

Insbesondere und ausschließlich die Jagdaufseher und Wildhüter aus Sachsen sind auf Hauptversammlungen vom Verein „Wildhüter St. Hubertus e. V.“ bisher in den Genuss gekommen, Zeichnungen von Andrea Dahlhaus aus der Tombola heraus zu gewinnen. Die Sachsen hatten hier jedes Mal ein glückliches „Händchen“ bei der Losziehung.

Die Malerei wurde wetterbedingt in die Zeit ohne intensive Sonnenbestrahlung gelegt, so dass jeweils erst ab dem frühen Nachmittag mit der Arbeit begonnen wurde. Da der Spaß an der Wandmalerei nicht leiden durfte und die Konzentration vielleicht gelitten hätte, war die Zeit der aktiven Wandgestaltung nicht allzu lang gewählt worden. Darüber hinaus gab es auch noch Regentage, die nicht unerwähnt bleiben sollen, da sie die Fertigstellung unnötig verlängerten. Andrea Dahlhaus hatte im Übrigen darum gebeten, dass nicht alle fünf Minuten „jemand“ gucken kommt. Dieser Wunsch wurde gerne erfüllt, konnte doch jeder weiter sein „Ding“ machen.

So vergingen die Tage und es kam wie es kommen musste, das Ende war plötzlich da und das schönste Wandbild im Revier und überhaupt, auf der ganzen Welt, war fertiggestellt. Das Kürzel A.D. vervollständigte die Wandmalerei in Oberhausen (Rhld.). Die nächste Garagenwand wird bei Walter Baltes geschmückt und ob nun Erich Groß seinen Drahthaar im Südbrookmerland oder Eggert Lenkersdorf bei Kiel seinen Schäferhund zum Beispiel auf dem Garagentor, der Flur- oder auf der Schlafzimmerwand verewigen wollen, ist offenbar noch in der Findungsphase. Wie dem auch sei, das Wandbild in Oberhausen steht dem Wandbild von Metzgermeister Jürgen Weber in Bottrop, welches im Übrigen auch sehr schön und einzigartig geworden ist, in nichts nach. Die Wandmalerei bei Jürgen Weber kennen alle die, welche entweder Kunden sind oder Seminarteilnehmer der Wildhüter im September 2017 in Schermbeck waren.