Nachsuche mit Aurelia vom Reinersbach

Von Markus Geith aus der Wachau

So, und jetzt etwas spät aber doch die Nachsuchen Story mit Aurelia. Ich versuche es möglichst kurz zu halten. In meinem zweiten Revier, wo ich seit kurzen einen Ausgehschein besitze, waren die letzten Wochen sehr starke Schäden durch Sauen in den Kulturen, teilweise bis an die Häuser, massiv.

Steirische Rauhaarbracke
Aurelia (Auri) vom Reinersbach

Daher regelmäßig ansitzen oder von Plätzen mit viel Aussicht auf die Sauen warten, anpirschen und versuchen eine zu erlegen. Ich war wieder unterwegs und entdeckte eine Rotte in einer Obstkultur wo ich eine Woche zuvor schon von derselben Rotte eine entnehmen konnte. Auf gut 100 Meter ist eine kleine Gasse wo die Sauen gut zu beschießen sind. Ich konnte, während die Rotte Richtung Obstanlage zog, dahinter eine 4 ha große Christbaumanlage und dann der eigentliche Wald, mich zu einer nahegelegenen Kanzel pirschen und erwarte dort die Sauen.

In der Kanzel angekommen und dem Wissen wo die Schwarzen jeden Moment auftauchen werden, richtete ich mir mehrere Bretter als Auflagen. Auch direkt quer zur Büchse zwischen dem Fenster und mir um wirklich ruhig die Waffe zu betten. Bei der Eile natürlich nicht ganz einfach und gerade noch rechtzeitig fertig, kam die Rotte schon am Gegenhang über einen 15 Meter tiefen Graben mit viel Gebüsch durch. Wohl 15 Stück mochten es sein, die ich immer nur in Teilen sah, Bache mit 4 kleinen Frischlingen, eine weitere Bache mit Streifenhörnchen und ein Überläufer mit so gut 30 kg vielleicht an die 40 kg. kam oberhalb und parallel mit. Leider so, dass die gut gebettete Büchse zwar in Richtung der ausgewählten Sau lag, aber ich nicht exakt mit dem Leuchtpunkt hinters Blatt kam. Also rückte ich ganz vorsichtig die Waffe seitlich und den Punkt auf der Sau sehend.

Leider war die quergelegte Latte etwas zu kurz und fiel ab. Die Waffe hob etwas ab und der Schuss brach. Ich konnte einen Kugelschlag hören und die Sau mit kurzen schnellen Schritten wegflüchten sehen, als einzige bergab in den Graben vor mir. Mist, und Schuss hat die auch. Etwa anderthalb Minuten dauerte es bis sich die Rotte dann verkrümelt hat, nachschießen ging nicht und eine weitere Sau beschießen war kein Thema.

Ich rief später meinen Freund und Jagdkollegen an, der unweit ebenfalls ansaß. Mit ihm gingen wir zum Anschuss mit Aurelia, kurze Vorsuche unsererseits brachte anfangs nichts, dann setzte ich Auri an, erst ein paar Meter vom vermuteten Anschuss ging sie etwas bergauf wohl auf den Gesundfährten nach um dann zurückzukehren und wie ich sehen konnte, bergab in den Graben.

Na Klasse, viel Gestrüpp, das kann ja heiter werden. Runter die Böschung die zum Glück nicht sehr dicht war, aber den Sauen einen sicheren Wechsel bietet. Steile 15 Meter bergab im Matsch…..kein Schweiß, die Wundfährte unter den vielen Trittsiegeln war auch kaum etwas auszumachen. Im Graben dann gings 30 Meter in Fluchtrichtung, plötzlich verweist Auri etwas Schweiß.

Nach gut 50 Meter erst vom Anschuss weg. Dieser wurde langsam mehr und mehr, teilweise mit sehr kleinen Fleisch- und Gewebsstücken bis plötzlich der Schweiß aus war. Rechts war ein kleiner schöner Weg wo die Sau leicht abgehen hätte können aber Auri drehte ein zwei kleine Runden und zog links bergauf auf die Hangseite wo der Anschuss war. In einem Trittsiegel in der feuchten Erde war etwas Schweiß, also Hund ist richtig.

Dann hinterher die Böschung hoch und schon standen wir an der Christbaumkultur die auch noch eingezäunt ist. Direkt am Zaun sah man einen tiefen ausgetretenen Wechsel unter dem Zaun durch, zwei Minuten suchten wir nach Schweiß, nur mit aufgefallenen frischen Borsten am Zaun war ich mir sicher das die Sau hier hinein ist, bis dahin waren es schon wohl 170-180 Meter Schweißfährte.

Hund angehalten, Kumpel und ich traten über den Zaun und setzten die Arbeit fort. Und Gott sei Dank gleich zur Bestätigung wieder etwas Schweiß, anfangs wenn die Sau einen Wechsel machte oder bei jedem Übergang war der Schweiß plötzlich weg. Erst 20 Meter später und immer bergauf gehend begann erst wieder etwas Schweiß, der dann immer mehr wurde. In der Christbaumkultur ging es 150 Meter etwas zickzack bergauf aber die Kleine lag gut und sicher im Riemen.

Dann ein scharfer Haken nach links, Schweiß weg und in kurzer Distanz wieder der Schutzzaun. Da war ebenfalls schon von den Sauen ein guter Tunnel darunter. Mein Kumpel kam gar nicht hinterher, obwohl etwas jünger als ich. Also legte ich Auri ab und untersuchte derweil den Zaunbereich, kein Schweiß aber wieder frische Borsten am Zaun. Endlich, Kumpel auch bei mir und Beratschlagung wo die Sau wohl hinziehen könnte. Im weiteren Umkreis wäre kein einziger Einstand der Deckung bietet. Er würde zurückgehen und das Auto holen und oberhalb von der Stelle nachkommen. An der Stelle waren wir wohl schon gut 400 Meter auf der Fährte. Also Hund unter und ich über Zaun und weiter gings, Auri zur Fährte!

Und Sie legte los… wieder in der Obstkultur immer bergauf Richtung Wald fortgehend zog sie mich, immer wieder war auch Schweiß sichtbar. Nach 150 Meter kamen wir in den Waldbereich, sehr lichter Hainbuchen und Birkenbestand. Nach weiteren 100 Meter im Wald kreuzten wir einen frisch geschotterten Weg. Am Weg angekommen war der Schweiß wieder weg. Auri ging zielsicher nach links weg, 30 Meter später an der kleinen Wegböschung bergauf endlich wieder Schweiß.

Ich hatte den Eindruck die Sau versuchte die vielleicht Bauchnabelhohe Böschung an mehreren Stellen hinauf zu gelangen. Es gelang ihr aber nicht. Also musste Sie doch schwerer krank sein. Nach etwa 50 Meter fand die Sau eine Stelle wo sie hinauf konnte. Wir waren etwa 20 Meter oberhalb vom vorherigen Punkt, als Auri nach links abbog und ich in den sehr lichten Waldbestand auf 20 Meter vor uns einen ganz kleinen Wurzelstock ausmachen konnte. Plötzlich wurde Auri niedrig, stellte Haare auf und brummte vorsichtig. Da rumpelte etwas weg, Auri wurde laut aber bis ich Waffe und Hund an der Leine wieder beisammen hatte war die Sau weg. Gleich hinter der Baumwurzel, als Bestätigung etwas Schweiß dort und in die gehörte Fluchtrichtung. Da ich das Gebiet kaum kenne brach ich wieder ab und erwartete meinen Kumpel nach kurzem Telefonat am Weg, wo dieser auch gleich auftauchte. Er hatte seine Kurzwaffe fertig gemacht und wir gingen zur besagter Baumwurzel. Wieder Auri – zur Fährte welche sie sogleich brav weiterarbeitete. Hinter der nahen Kante sahen wir auf 50 Meter eine kleine Hainbuchenverjüngung von vielleicht 15 x 15 Meter….als wir kurz davor standen roch ich plötzlich die Sau und machte mich mit der Waffe fertig. Ich äugte ins Gebüsch, mittlerweile war es fast dunkel geworden, als ich am Rand eine stehende Sau entdeckte. Teufel noch, die ist ja viel größer als gedacht.

Noch bevor ich zielte, sah ich weitere sechs Sauen daneben. Alles zwischen 40 bis 80 kg. Mein Kumpel sah mit der WBK noch mindestens 8-10 kleine Frischlinge. Die Rotte brach nach oben weg. Mist! Und es ist nicht die von mir beschossene. Zusätzlich fing es ins Schütten an, der leichte Regen wurde massiv, was mich bestärkte hier die Arbeit abzubrechen. Wir sind wohl 800 Meter nachgegangen. Und hier wollte ich Aurelia nicht überfordern wegen der anderen Rotte.

Bei der späteren Heimfahrt informierte ich einen befreundeten Oberförster, der unzählige Nachsuchen hatte und der schon lange Deutsche Wachtel führt und auch bis vor kurzem der hiesige Zuchtwart war. Dieser rief mich am Morgen an, das er nach meiner Schilderung und Einschätzung zusagte, um zu kommen. Auch er vermutete, dass die Sau noch lebt und sie sei wohl zu bekommen. Aber hier wollte ich aus Sicherheit und Waidgerechtigkeit die Sache schnellstmöglich erledigen und Aurelia nicht überfordern. Wir setzten den Wachtelrüden Genius am Wurzelteller an und der Rüde lief erhobenen Hauptes dieselbe Richtung bis in die Hainbuchenverjüngung. Schnurstracks hindurch, dann parallel dem Weg folgend nochmal 50 Meter weiter bis nach rechts bergauf ein verfallener Weg kam. Der Wachtel immer noch erhobenen Hauptes bergauf, ging vielleicht 150 Gänge bis wir auf eine kleine Lichtung von 30×30 Meter kamen. Da stand eine große Schirmfichte und rundherum etwas Gebüsch und Brombeeranflug. Der Förster meinte, nur hier würde er sich einschieben.

Der Rüde schnurstracks hinein und gleich einen Haken bergauf. Stand dieser plötzlich, als der Förster mir zurief Waidmannsheil. Sau tot! Schuss vorne am Schulteransatz, tief. Da begann die Sau sich plötzlich zu bewegen. Der Förster zog zugleich seinen Revolver, Bumm Bumm, sollte reichen, dann kam die Sau noch in meine Richtung, da konnte der Förster den finalen Fangschuss setzen. Gott sei Dank!

Steirische Rauhaarbracke

Steirische Rauhaarbracke

Fazit, mit der Wachtel sind wir vielleicht noch 200 Meter oder etwas mehr vom Wundbett gegangen. Fünf Minuten Arbeit, aber erledigt. Wäre wahrscheinlich eine super Sache für Aurelia gewesen, aber unsere Hunde sind noch sehr jung und Ihre Zeit kommt bestimmt noch. Mittlerweile sind ein paar kurze Totsuchen hinzugekommen aber diese erste richtig schwere Fährte ging die Kleine tadellos. Der Förster bestätigte mir, dass Aurelia sehr gut geht und bei genügend Einsätzen zu einem sehr guten Nachsuchen Hund werden kann. Die beschossene Sau war eine Überläuferbache mit 39 kg aufgebrochen. Grüße an alle und schönen Abend noch nach diesem Jagdroman…

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Aurelia (Auri) vom Reinersbach
Aurelia (Auri) vom Reinersbach

 

 

 

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