Weimaraner Vorstehhund (Kurz- und Langhaar)

Vorstellung eines vielseitigen Jagdgebrauchshundes

Von Klaus Günther, Wildhof Unterlautenberg

Der WEIMARANER ist nach erlöschen der Rasse „Württemberger“, wohl die urtümlichste noch heute in Deutschland gezüchtete Vorstehhunderasse. Dem Weimaraner wurde, wie dies ein Kenner dieser Jagdhunderasse einmal ausgedrückt hat, nicht wie bei anderen vergleichbaren Rassen geschehen, „literweise“ Pointerblut zugeführt. Der Weimaraner hat sich vielmehr den letzten Tropfen Leithundblut in erheblicher Stärke erhalten.

Die Frage, ob der Weimaraner bereits am Hofe zu Weimar gezüchtet wurde, ist heute wohl nicht mehr zu beantworten. Wahrscheinlicher ist, dass die Rasse als sogenannter „Landschlag“ auf dem flachen Lande Thüringen entstanden ist.

Zuchtbuchmäßig zurückverfolgen lässt sich die Rasse bis zum Jahr 1891 und der Weimaraner Klub e. V., der die Rasse heute züchterisch betreut, ist im Besitz von Zuchtunterlagen, die bis in dieses Jahr zurückreichen. Interessant zu wissen ist auch, dass die Weimaraner, wie übrigens auch die „Württemberger“, bis zum Jahr 1922 im Stammbuch Kurzhaar eingetragen wurden.

Der Weimaraner wird auch heute noch in Reinzucht gezüchtet, das heißt, die Einkreuzung fremder Rassen ist nicht erlaubt. In seiner Gesamterscheinung ist der Weimaraner ein mittelgroßer bis großer, kräftiger Gebrauchshund (Stockmaß bei Rüden bis 70 cm, bei Hündinnen bis 65 cm). Er wird in zwei Haarvarianten gezüchtet, dem häufiger vorkommenden Kurzhaar-Weimaraner und dem selteneren Langhaar-Weimaraner. Die Farbe beider Schläge ist grau; weiße Abzeichen in geringem Umfang an Brust und Zehen sind zulässig.

Das Zuchtziel des Weimaraners ist der vielseitige, leichtführige und passionierte Jagdgebrauchshund mit systematischer und ausdauernder Suche, jedoch mit nicht überschießendem Temperament.

In seinen geistig-seelischen Eigenschaften zeichnet den Weimaraner an erster Stelle seine Anhängigkeit gegenüber seinem Führer und dessen Familie und Bekannte aus.

Hieraus resultiert auch die Leichtführigkeit dieser Rasse, ihre ausgesprochene Bringfreudigkeit und die leichte Abrichtbarkeit insgesamt. Aber auch der dem Weimaraner an-gewölfte Schutztrieb ist als Ausfluss dieser engen Bindung an Person, Familie und Haus des Besitzers anzusehen.

Im Jagdbetrieb ist der Weimaraner ein passionierter und aus- dauernder Jagdgebrauchshund. Seine Arbeitsweise wird durch sein gezügeltes Temperament bestimmt; sie ist daher überlegt und planmäßig. Eine hektische und überpassionierte Arbeitsweise, wie sie heute bei vielen Jagdhunderassen beobachtet werden kann, ist nicht Zuchtziel dieser Rasse.

Ebenso selbstverständlich ist auch die Vorstehanlage beim Weimaraner fest verankert. Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass diese Anlage bei dieser ohnehin nicht extrem frühreifen Rasse in der Jugend oft etwas spät zum Durchbruch kommen kann, zumal die Neigung zum Ausarbeiten von Spuren und Geläufen mit tiefer Nase dem etwas entgegensteht.

Auch im Ausland hat der Weimaraner vor allem nach dem 2. Weltkrieg große Verbreitung gefunden. In Deutschland wird die Rasse betreut vom Weimaraner Klub e.V., gegründet 1897.